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Barrierefreiheit und Inklusion in Österreich - insbesondere in Wien

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Seit 2005 gibt es in Österreich das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz, das die Benachteiligung und Diskriminierung von Menschen mit Behinderung verhindern soll. Eine derzeit noch andauernde Übergangsfrist endet am 01. Januar 2016.

Seit 2005 gibt es in Österreich das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz, das die Benachteiligung und Diskriminierung von Menschen mit Behinderung verhindern soll. Eine derzeit noch andauernde Übergangsfrist endet am 01. Januar 2016. Ab diesem Zeitpunkt ist dieses Gesetz über Barrierefreiheit in allen Gebäuden anzuwenden, seien es Neu- oder Altbauten. Das Behindertengleichstellungsgesetz sieht nicht nur die infrastrukturelle Barrierefreiheit vor. Auch alle Waren, Dienstleistungen und Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, müssen barrierefrei angeboten werden.

Im Bauwesen versucht die Stadt Wien in Österreich Vorreiter zu sein. Bereits seit 1991 ist die Barrierefreiheit beim Wohnungsbau und beim Bau öffentlicher Gebäude durch die Bauvorschriften vorgegeben. Bereits im Stadtentwicklungsplan 1994 ist das Ziel einer barrierefreien Stadt formuliert. Seit 1988 wird konsequent auf Gehsteigabsenkungen geachtet. Die Stadt Wien verfügt auch über eine Vielzahl behindertengerechter WC-Anlagen, die mit einem "euro-key" versehen sind.

Im Bereich des öffentlichen Verkehrs ist die Barrierefreiheit bereits auf bestem Wege. Alle(!) Wiener U-Bahnstationen sind via Lift oder Rampe erreichbar, ebenso alle unterirdischen Straßenbahnstationen. Der Status der Aufzüge ist im Internet in Echtzeit verfügbar, das heißt Ausfälle werden angezeigt und zukünftige Wartungsarbeiten angekündigt. Derzeit gibt es 275 Aufzüge im gesamten Liniennetz. U-Bahnen und Autobusse sind barrierefrei nutzbar. Viele, jedoch noch nicht alle, U-Bahnstationen sind zudem mit einem Leitsystem für Blinde ausgerüstet. Mehr als 50 Prozent der eingesetzten Straßenbahnen sind bereits Niederflurgarnituren. Rund 20 Stück kommen jedes Jahr hinzu. Zudem gibt es seit 2009 die sogenannte Öffi-App "qando". Sie für Menschen mit Behinderung sehr hilfreich, da sie in Echtzeit über die Fahrtzeiten der niederflurigen Bahnen informiert. Das ermöglichte eine viele bessere Planbarkeit für die Betroffenen. Qando gibt es für iPhone, Android und als mobile Web-Version. Seit dem 1.1.2014 können zudem Begleitpersonen von behinderten Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen.

www.wienerlinien.at

Barrierefreiheit geht weit über bauliche Maßnahmen hinaus. Das österreichische Sozialministerium hat Informationen in leichter und verständlicher Sprache dazu bereitgestellt. Dazu gehören Informationen über:

· die Förderung investiver Maßnahmen durch den Sozialministeriumservice,

· die Förderung von Umbaumaßnahmen bei der Beschäftigung behinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,

· Behindertenorganisationen wie den Dachverband "Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation", die ihre Expertise zur Überprüfung der Zugänglichkeit anbieten .

Zudem gibt es zahlreiche Informationen auf der Homepage des Sozialministeriums: (www.sozialministerium.at/site/Soziales/Menschen_mit_Behinderungen/Barrierefreiheit/),

des Sozialministeriumservices:

www.sozialministeriumservice.at/site/Behindertengleichstellung sowie der

der Wirtschaftskammer:

www.wko.at

Auch die Stadt Wien arbeitet stets daran, das reichhaltige Onlineangebot zu erweitern. Auf ihrer Webpräsenz findet man bisher:

· Online-Pläne für behindertengerechten Arztpraxen,

· Informationen zu Behindertenparkplätzen für PKW,

· den Verweis zu einer Informationsplattform zum Thema Sucht und Suchtprävention in der Österreichischen Gebärdensprache. (Exkurs: Die Gebärdensprache wird in Österreich von 8.000 bis 10.000 Menschen gesprochen, 4.000 davon leben in Wien. Seit 2005 ist sie in der Bundesverfassung als Minderheitensprache anerkannt.)

Näheres hier:

www.wien.gv.at/menschen/behinderungen

Einmalig in Wien und ganz Österreich ist die "Gehörlosenapotheke". In der Marien-Apotheke in Mariahilf sind zwei gehörlose pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten beschäftigt sowie Europas einziger gehörloser Apotheker.

https://inwien.at/Gehoerlosenapotheke.20044.0.html?&L=0&sword_list[]=apotheke&no_cache=1

In jedem Wiener Bezirk gibt es Kindergärten mit Integrations- und heilpädagogischen Gruppen für Kinder mit schweren oder mehrfachen Behinderungen. Bei der regulären Kindergartenplatzvergabe ist bei einer geistigen oder einer körperlichen Behinderung ein besonderer Förderungsbedarf anzugeben. Im Gespräch mit den Eltern, einer Psychologin und gegebenenfalls einem Arzt wird sodann für jedes Kind eine individuelle Lösung entwickelt. Die städtischen Kindergärten sind grundsätzlich kostenfrei – auch bei besonderem Förderbedarf.

Näheres hier:

https://www.wien.gv.at/kontakte/ma10/servicestellen.html

Schülerinnen und Schüler erhalten durch den österreichischen Staat Assistenzleistungen, abhängig vom Grad ihrer Behinderung. Diese sollen einen Ausgleich der Behinderung begünstigen und im Optimalfall eine Gleichstellung ermöglichen.

Darüber hinaus bietet die Stadt Wien eine Integrationsberatungsstelle des Stadtschulrates. Das Serviceangebot der Integrationsberatungsstelle richtet sich an Erziehungsberechtigte, Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Institutionen. Betroffene können sich hier über den Schulbesuch und sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) informieren.

Ergänzt werden die Leistungen der Stadt Wien durch den Fahrtendienst für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung. Mit der kostenlosen Dienstleistung ermöglicht die Stadt einen barrierefreien Zugang zu Bildung.

Weitere Informationen:

http://www.wag.or.at/

https://www.bmbf.gv.at/ministerium/rs/2013_04.html

https://www.wien.gv.at/bildung/stadtschulrat/schulsystem/pflichtschulen/integrationsberatung.html

https://www.wien.gv.at/bildung/schulen/leistungen/fahrtendienst.html

Barrierefreies Wien - ein Lebens- und Mobilitätsratgeber für behinderte Menschen mit wertvollen Tipps gibt es beim Falter Verlag. Erhältlich für 16,50 Euro hier: Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien; www.falter.at/faltershop, service@falter.at oder über den Buchhandel.

Die Kanzleien der bilateralen Botschaft und der Ständigen Vertretung bei der OSZE sind temporär in der Gauermanngasse 2-4, 1010 Wien, untergebracht. Die bilaterale Botschaft ist barriefrei erreichbar und die Ständige Vertretung der OSZE ist eingeschränkt barrierefrei. Das Rechts- und Konsularreferat der Botschaft in der Strohgasse 14 c, 1030 Wien, ist für Besucher eingeschränkt barrierfrei (über Rampe) zu erreichen. Ein WC für Menschen mit Behinderungen gibt es dort leider nicht. Der vorgesehene Neubau für die beiden Kanzleien und das Rechts-und Konsularreferat in der Metternichgasse 3, 1030 Wien, wird komplett barrierefrei sein.

Die Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den internationalen Organisationen in der Wagramer Straße 14, 1022 Wien, ist ebenfalls nur eingeschränkt barrierefrei.

Zentraler Ansprechpartner der drei deutschen Vertretungen in Wien für Menschen mit Behinderung ist:

Botschaftsrat Arnulf Braun

Tel.: 0043 1 711 54 0

E-Mail: info@wien.diplo.de

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